26. Februar 2022

Um die vielen Aufgaben im Weingut zu bewältigen, benötigt es fachlich versierte Menschen, die Lust auf die Herausforderungen im Weinbau haben. Es gibt schon viele Allrounder, aber anscheinend nicht immer an der richtigen Stelle mit den passenden Fähigkeiten. Wie bekomme ich es also hin, die passenden Mitarbeiter für mein Weingut zu finden? Wir haben euch ein paar Tipps zusammengestellt.

Viele Betriebe suchen die sogenannte eierlegende Wollmilchsau, die es eigentlich nicht gibt. Viele Probleme sollen auf einmal gelöst werden, aber ist das wirklich die Lösung? Halte ich damit mein Personal oder vergraule ich die Bewerber*innen schon vor dem Bewerbungsgespräch? Unternehmer*innen haben oft andere Vorstellungen wie Arbeitnehmer*innen, deshalb ist es wichtig sich genau zu fragen, was ich als Betriebsleiter*in wirklich brauche und welche Personen welche Eigenschaften benötigen, um die anfallenden Aufgaben zu bewältigen.

Gesucht: 25 Jahre, Auslandserfahrung und Diplomabschluss

Nicht unwichtig ist die bereits vorhandene Mitarbeiterstruktur, um zu schauen, ob die Person/der Bewerber auch in das Gefüge passt oder ob der Betriebsleiter mit der Stellenbesetzung eventuell die Harmonie im Betrieb stört. Wir befinden uns in der Weinbranche, wie auch in anderen Branchen, im Mitarbeitermarkt. Das heißt, der Mitarbeiter kann auswählen, wo er arbeiten möchte. Es sollte bereits vor der Ausschreibung klar sein, dass die Bewerber nicht Schlange stehen und warten, bis sie auf deinem Weingut starten können.

„Die Branche ist klein und das Vertrauen schnell zerstört.”

Tanja Schneider

Manchmal ist Anonymität besser

Es gibt Stellen, die man nicht öffentlich ausschreiben kann, da der aktuelle Stelleninhaber noch im eigenen Unternehmen in Lohn und Brot steht. Für solche Fälle gibt es Personalvermittlungen, die verdeckt suchen können oder Chiffreanzeigen, mit denen man sein Glück versuchen kann.

Auch Mitarbeiter*innen, die in den Bewerbungsprozess einsteigen, benötigen Anonymität, um ihr derzeitiges Einkommen nicht zu gefährden. Hierfür ist es extrem wichtig, nicht mit dem Kollegen einfach über Bewerber*innen zu sprechen oder ohne Referenzfreigabe den letzten Betrieb anzurufen. Die Branche ist klein und das Vertrauen schnell zerstört.

Offene Stellen genau beschreiben

Suche ich wirklich nur einen Traktorfahrer oder welche Aufgaben soll der künftige Stelleninhaber übernehmen? Der klassisch gesuchte Allrounder möchte auch wissen, was er denn wirklich im Arbeitsalltag machen soll und für was er dann verantwortlich ist. Ohne klar definierte Verantwortungen wird es einem Arbeitnehmer nicht möglich sein, zufriedenstellend für deinen Betrieb arbeiten zu können. Das Stellenprofil genau zu beschreiben ist essenziell, um die Ausschreibung zu definieren und eine Vorstellung zu haben, welchen Mitarbeiter ich wirklich suche.

Das Firmenimage zählt

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt´s sich völlig ungeniert.“ Dieses Motto ist bei der Arbeitnehmersuche leider ziemlich hemmend. Jeder kennt einen, den man fragen kann, wie es denn eigentlich ist, in deinem Betrieb zu arbeiten. Schlechte Eigenschaften verbreiten sich schnell im Markt und damit wird die Mitarbeitersuche noch erschwert. Der soziale Umgang steht bei der Jobauswahl mittlerweile im Vordergrund. Natürlich ist die Vergütung wichtig, damit man sein Leben ordentlich gestalten kann, allerdings hat sich die Motivation wieso ich wo arbeite extrem gewandelt.

Mit der Ausschreibung die Richtigen ansprechen

Bei der Ausschreibung muss ich mir Gedanken machen in welchen Medien ich meine künftigen Arbeitnehmer eigentlich finden kann. Die Tonalität ist ebenfalls nicht unwichtig, um das Interesse auf meinen Betrieb zu lenken. Wenn ich in diesem Fall meine Zielgruppe, also die potenziellen Bewerber*innen, nicht richtig anspreche, dann werden auch nicht die richtigen Menschen auf mich zukommen.

Bewerbergespräche und Auswahl

Im Bewerbergespräch ist es wichtig einen umfassenden Eindruck vom künftigen Mitarbeiter zu erhalten. Typische Fragen, um das abzuklären sind:

  • Welche Erfahrungen hat er bereits in seinem Berufsleben gesammelt?
  • Wo sind seine Stärken und Schwächen?
  • Wie möchte er sich in seinem Berufsleben weiterentwickeln?
  • Wo möchte er in fünf oder zehn Jahren stehen?

Ebenfalls sollte der Lebenslauf zu den Erzählungen passen und man sollte die Gründe für enorme Richtungswechsel im Berufsleben herausfinden. Am Ende sollte der Betriebsleiter sich dann die Frage stellen, ob er sich den Bewerber in seinem Team vorstellen kann und ob er mit ihm seine Unternehmensziele erreichen kann.

Persönliches Umfeld

Nicht nur das bisherige Berufsleben des Bewerbers spielt eine Rolle, in gewisser Weise auch sein Privatleben. Hierbei fängt es schon mit dem Wohnsitz an. Wo lebt der Bewerber? Ist er umzugsbereit? Wie weit ist der tägliche Arbeitsweg? Passt das alles mit der offenen Stelle auf dem Betrieb und seinen neuen Aufgaben zusammen, ist das auf jeden Fall schon ein Pluspunkt für ihn. Denn nur so kann auch der Bewerber auch langfristig mit allen Faktoren seiner neuen Arbeitsstelle zufrieden sein.

Angebot und Vertrag

Nachdem alle Absprachen getroffen sind, die Vergütung und der Eintrittstermin vereinbart sind, kann der Vertrag geschlossen werden. Frage deinen Arbeitsrechtler des Vertrauens, damit die rechtlichen Rahmenbedingungen für beide Seiten stimmen.

„Führe regelmäßig mit deinen Mitarbeitern Personalgespräche und prüfe, dass der Mitarbeiter sich noch gut in dein Unternehmen eingebunden fühlt.”

Tanja Schneider

Nach all den abgehandelten Themen kann die erfolgreiche Zusammenarbeit beginnen. Aber selbst dann ist es noch nicht vorbei. Führe regelmäßig mit deinen Mitarbeitern Personalgespräche und prüfe, dass der Mitarbeiter sich noch gut in dein Unternehmen eingebunden fühlt. Wenn keine Entwicklung mehr möglich ist und der Mitarbeiter sich in einer Sackgasse sieht, kann es irgendwann auch wieder zu einer Veränderung kommen.

Es gibt genug Mitarbeiter, die sehr glücklich mit dem Platz sind, den sie haben. In diesen Fällen stimmt einfach oft das Miteinander, das Umfeld und die Arbeitsinhalte. Wir wünschen allen Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen viel Erfolg bei der Zusammenarbeit. Denn wie in allen Beziehungen ist die Kommunikation der wichtigste Faktor für ein harmonisches Miteinander!

Erschienen in: Verraten und Verkauft, 23.02.2022


VON: TANJA SCHNEIDER

Tanja ist Gründungsmitglied der Unternehmensberatung “Die Weinberater” und war über 10 Jahre als Marketing Managerin tätig. Die Weinberater GmbH aus Windesheim ist seit 2017 die Unternehmensberatung für die Weinbranche in fast allen Belangen und Betreiber der Job-Plattform Jovinbo.com.

Mehr Informationen: Die Weinberater GmbH

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